Die argentinische Wirtschaft wies 2007 mit einem realen Zuwachs des Bruttoinlands-produktes (BIP) von 8,7% im fünften Jahr in Folge "chinesische" Wachstumsraten und die höchste Wachstumsrate in Lateinamerika auf.
Die Agrar- und Ernährungsproduktion, die nach wie vor den wichtigsten Wirtschaftszweig Argentiniens stellt, wuchs um knapp 10% und damit deutlich stärker als im Vorjahr (+4,8%). Dieses Wachstum geht in erster Linie auf hohe internationale Agrarpreise und eine starke Nachfrage nach Nahrungsmitteln zurück. Wachstumsmotor der Gesamtwirtschaft war der interne Konsum, dem mehr als 2/3 des BIP zugeführt wurden, vor allem Computer und Hausgeräte sind gefragt. Außerordentlich stark wuchsen der Automobilsektor (25, 4%,) und die metallverarbeitende Industrie (9,5 %). Die Bautätigkeit wuchs weniger als im Vorjahr. Die Regierung hat die Gesamtnachfrage durch einen starken Anstieg der Staatsausgaben um mehr als 40% im Wahljahr 2007 zusätzlich angeheizt.
Zweifellos hat das günstige internationale Umfeld erneut zu diesem Erfolg beigetragen: ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft bei niedrigem Zinsniveau in wichtigen Volkswirtschaften, hohe Rohstoffpreise und eine spürbare Wiederbelebung in der Region. Gleichzeitig hat eine weiterhin stark anwachsende Binnennachfrage eine erneut starke Expansion ermöglicht.
Das fortgesetzte Wachstum schlägt sich auf die Preise nieder. Die offizielle Statistik-Agentur INDEC berechnet eine Inflationsrate von 8,5 % im Jahr 2007. Private Expertenschätzungen gehen allerdings von einer Rate aus, die zwischen 15 und 25 % liegt. Die Prognosen unabhängiger Experten für das kommende Jahr liegen bei ca. 6-7% Wirtschaftswachstum.
Angesichts der Exportstruktur Argentiniens und der geringen Verflechtung mit den internationalen Finanzmärkten gehen die meisten Experten davon aus, dass Argentinien von den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise zunächst einmal relativ gut geschützt ist.
Um das hohe Wachstumstempo beibehalten zu können, braucht Argentinien neue Investitionen. Zwar hat die Investitionsquote mit 23% des BIP den höchsten Stand seit den 70er Jahren erreicht. Es besteht jedoch ein hoher Bedarf an Investitionen in Maschinen und Anlagen; vor allem beim Ausbau der Energieversorgung und anderer Infrastruktur. Das gute Abschneiden der Wirtschaft hat die Arbeitslosigkeit 2007 von 8,7% im Vorjahr auf 7,5% (ohne Berücksichtigung der Empfänger von Sozialleistungen) gesenkt.